Mit näheren Informationen zur Tollkirsche als herkömmlichem Augenmittel und Aphrodisiakum möchten wir rund um dieses Thema aufklären und den Freundeskreis dieses altbewährten Mittels erweitern.

Die Tollkirsche - Geschichte

Die Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna) ist schon seit der Antike eine vielseitig genutzte Heilpflanze. Ihr tödliches Gift, das atemlähmende Hyoscyamin, wirkt in geringen Mengen genossen krampflösend, entspannend und schmerzlindernd. Mit anderen Kräutern gemischt wurde sie auch gegen Gicht, Epilepsie, Keuchhusten, Scharlach, die Wassersucht und verschiedene Nervenkrankheiten zum Einsatz gebracht.

Das Botox des Altertums

Im Altertum galten große dunkle Augen zeitweise als Schönheitsideal, so dass die Tollkirsche regelmäßig als Augen- bzw. Pupillenerweiterungsmittel eingenommen wurde. Da der Tollkirsche gleichzeitig auch eine aphrodisierende Wirkung zugeschrieben wurde, war sie vor allem in den höheren Gesellschaftsschichten ein akzeptiertes und begehrtes Genuss- und Rauschmittel - so wie es heute in der High-Society z. B. üblich ist, sich regelmäßig Botox zu injizieren.

Später jedoch, im Mittelalter, schrieb man die durch die Tollkirsche ausgelösten Tollheitszustände teuflischen Kräften zu und jedem, der sie verarbeitete oder nutzte – ganz gleich ob als Heil- oder Rauschmittel – wurde als Hexe oder Ketzer der Prozess gemacht.

Auch heute noch werden Extrakte aus der Tollkirsche hergestellt und in sehr geringer Dosis in einigen Medikamenten und Salben verwendet. In jüngerer Zeit hat man auch aus der Wurzel der Tollkirsche eine Substanz gewonnen, das in Medikamenten gegen die Parkinsonsche Krankheit helfen soll. Darüber liegen jedoch noch nicht genügend Studien vor, so dass dieses Medikament in Europa nicht zugelassen ist.

Giftigkeit

Um mal eine Vorstellung davon zu bekommen, wie giftig die Tollkirsche ist: bei 3 – 5 Beeren bei Kindern und ab 10 Beeren bei Erwachsenen tritt innerhalb von 14 Stunden der Tod durch Atemlähmung ein. Dennoch wurden Tollkirschen immer wieder als Rauschmittel genossen, da sie bei Tieren und Menschen einen lang anhaltenden Zustand der Trance hervorrufen können. Dieser kann bis zu 4 Stunden dauern und auch viele Tage danach bleibt noch eine Pupillenerweiterung im Auge sichtbar.

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